Blick zurück Teil 1: Handarbeiten in meinem „früheren“ Leben

Ehrlich gesagt, habe ich zu eigenen Schulzeiten Handarbeit (so hieß das damals noch) als Unterrichtsfach schlicht und einfach gehasst! Trotz guter Noten. Pflichbewusstsein gab es in unserer Familie bereits mit der Milchflasche. Sage nie „Das kann ich nicht!… “ hat mir meine Mutter deswegen auch als allerersten Eintrag ins Poesiealbum geschrieben.

Ich denke da mit leichtem Grauen an den brettlharten, gestrickten Waschhandschuh aus Topflappengarn in der 4. Klasse, den man heute eventuell(!) als Peelinghandschuh für die Beine benutzen würde, und der mir zu Schulzeiten die erste und einzige Kopfnuss einer Lehrkraft eingebracht hat (mich aber für lange Zeit unterrichtlich ganz und gar verstummen ließ).

Ich denke da auch an das 80×80 Kopfkissen der 6. Klasse, welches wir bei Klosterschwestern im Unterricht komplett von Hand nähten (gefühlte Kilometer von Nahten und Hohlsaum, Knopflöcher…) und mit Weißstickerei versahen, nach selbstentworfenem Flachstich-Stickmuster. Ich habe es heute noch (nicht in Benutzung).

Handgenähter Kopfkissenbezug WZ

Und ich denke da an den gruseligen, hellblauen Strickpullover im Gymnasium (ja, wir hatten 1967 im Gym noch Handarbeit als Unterrichtsfach am Nachmittag), den ich jede Woche nach dem Handarbeitsunterricht zu meiner lieben Oma trug, die sich meiner erbarmte und ein Stück strickte, den ich dann schnell vor dem Unterricht wieder abholte, um zwei Schulstunden selbst dran zu stricken … um ihn dann wieder…… Ohei! Das sah man aber auch, mit welcher „Liebe“ das Teil gestrickt worden war. Getragen hab ich ihn kein einziges Mal.

Seltsamerweise habe ich aber in den Jahren danach, als ich von der Schule her nicht mehr zwangsverpflichtet war, zu handarbeiten, angefangen, komplizierte Strickmuster auf Karopapier zu notieren, wo immer ich schöne Muster fand, und immer gleich einen Flicken zur Probe zu stricken und danebenzukleben, so als Mustersammlung. Ein paar davon habe ich heute noch. Mein Handarbeitsheft der Schulschwestern aus den Jahren in der Volksschule mit den Pappekarten als Anleitung zum Knopfloch Nähen, Stopfen oder Socken Stricken ebenfalls. 😉

Handarbeitsheft WZ P1070493

Für mein allererstes Auto habe ich Sitzbezüge aus selbstgestrickten Farbflicken zu Patchworkdecken gearbeitet, passend in den Farben meiner Ente: Natur mit Blau und Blaugrün. Mein erstes Auto war ein 2CV4, hellbeige, mit blauen Kotflügeln und blau gestrichenen Felgen. Selbstgestrichen von außen und selbstbestrickt von innen. Vordersitze passend zur Rücksitzbank. 😉

In der Zeit der Filet-Häkelvorhänge für die Fenster, hatte ich das ganze Haus voll davon. Große, kleine, lange, kurze, alle mit Motiven, so, wie man das damals halt hatte. Es hat mir Spaß gemacht sie anzufertigen.

Später kam die Phase der dänischen Stickbilder: Monatskränzchen, Märchenbilder (fürs Kinderzimmer), das Geburtentuch für meine Tochter und und und. Leider gab es irgendwann den schönen, kleinen Laden nicht mehr mit den Stickpackungen aus Dänemark und den passenden, extratiefen Bilderrahmen. So konnte ich auch zu schönen Anlässen, wie Hochzeiten oder Hausbau im Freundeskreis nichts mehr Passendes sticken. Zu meiner allerersten Brille kam ich auf eben diesem Weg, weil ich so ein Bild als Geschenk sticken wollte mit dem Datum der Hochzeit von Freunden, aber mir beim Sticken immer die Augen tränten. Mit Brille ging es dann fast wie von selbst. 😉 Mein eigener Monogrammbuchstabe (ein Stich in weiß, zwei Stiche in zartrosa, ein Stich in Dunkelgrün usw.) gehört leider auch zu den bisher unvollendeten Projekten.

Kreuzstickerei Monogramm WZ P1070490

Für meine Tochter bzw. deren Puppen und Tierchen habe ich oft Kleidung angefertigt. Ich habe gestrickt und gehäkelt. Als sie dafür groß genug war, hat sie oft auch mit ihrer Großmutter väterlicherseits aus Stoffrestchen und viiiielen Knöpfen von Hand Kleidung genäht. Oma war da sehr geduldig und hatte einen schier unerschöpflichen Vorrat an Knöpfen im Nähkästchen. 🙂

Dann kam bei mir die Phase der enormen, privaten und beruflichen Anspannung und ich hatte einfach keine Zeit mehr, Handarbeiten anzufertigen. Dass dies für mich ein sinnvoller Ausgleich gewesen wäre, auf diese Idee wäre ich gar nicht gekommen in dieser Zeit. Keine Zeit! Keine Zeit! Erst heute weiß ich es zu schätzen, wie herrlich man beim Handarbeiten seinen Gedanken nachhängen kann, bzw wie schnell der Kopf „leer“ wird, wenn man ein Zählmuster arbeitet. Meditatives Handarbeiten nenne ich das inzwischen. Sollte meiner Meinung nach unbedingt in das Therapieangebot von psychosomatischen Kliniken aufgenommen werden.

Als ich vor wenigen Jahren aus gesundheitlichen Gründen aus meinem Beruf ausgeschieden bin, hatte ich plötzlich Zeit. Viel Zeit! Da habe ich angefangen, zu malen. Ich selbst war damit aber nur ganzganz selten zufrieden. Es wurde einfach nicht so, wie ich es mir vorgestellt hatte. Ich habe zwar ein Abitur eines musischen Gymnasiums (sowas gibt es wohl nur in Bayern), aber wir haben viel Kunstgeschichte gelernt, und viel pingeligste Kunstschrift geschrieben, aber was Schüler heute im Kunstunterricht an Techniken erlernen, das kann ich überwiegend nicht. Neid!

So habe ich mich auf die Suche nach meinem alten Schätzchen gemacht: Eine ganze Kiste, voll mit Nadeln und Garnüberresten vergangener Projekte. Die Schatzkiste war immer wieder mit mir umgezogen. Ich wusste wohl intuitiv, dass ich das irgendwann mal wieder würde brauchen/nutzen können.

Wie das weitergegangen ist auf dem Weg zum eigenen Shop, erzähle ich euch ein ander Mal. Hier geht es nun weiter. 🙂

Wie war das eigentlich bei euch so mit diesem Unterrichtsfach in der Schule?

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