Blick hinter die Kulissen: Ein neuer Artikel entsteht – sommerliche Netzmütze

Heute lasse ich euch mal teilhaben, an der Entstehungsgeschichte eines neuen Artikels, einer sommerlichen Netzmütze aus Biobaumwollgarn, damit ihr mal einen Einblick gewinnen könnt, welche Zeit und Arbeit dahinter steckt, wenn man nicht auf fertige Anleitungen zurückgreift (die überwiegend gewerblich auch gar nicht genutzt werden dürfen), sondern selbst entwickelt, so, wie ich das gewöhnlich handhabe.

Ich bekam einen nette Anfrage mit Foto, ob ich so eine Mütze herstellen könnte. Es muss sich dabei wohl um die Lieblingsmütze einer jungen Dame gehandelt haben.

Auf jeden Fall dachte ich spontan,  wenn ich das Muster herausfinden kann, dann bekomme ich das hin. Eine Mütze ist von der Form nicht sooooo schwer, Mützen habe ich schon öfters gefertigt.

Gesagt – getan! Das Muster der Mütze sah nach einem Lochmuster aus. Ich suchte also nach Lochmustern. Zuerst in meinen Musterbüchern, dann bei einer Suchmaschine über die Bildersuche. Keines der Muster sah so aus, wie das auf dem Foto.

Ich habe eine liebe Freundin, die Textilarbeit unterrichtet. Sie hat viele Musterbücher. Wir fanden dieses Muster nicht, zumal es auf dem Foto auch recht schwierig zu erkennen war. Ich suchte einen weiteren Abend, diesmal mit dem Begriff „Netzmuster“, so nannten sich nämlich viele der Lochmuster in den Büchern. Und irgendwann am späten Abend wurde ich fündig.

Wellen-Netzmuster SW

Die Rückfrage bei der Kundin mit einem Screenshot des Musters ergab, dass das Muster der Netzmütze wohl tatsächlich so aussah, wenn man es ein wenig auseinanderzog. Nun musste ich mir anhand des Videos nur noch das Muster aufschreiben. Ich gestehe: Ich mag weder Videos, noch Strickbilder zum Fertigen. Ich notiere mir die einzelnen Schritte immer in Abkürzungen auf. Da habe ich den besseren Überblick beim Arbeiten. Dass sich beim Rundstricken die einzelne rechte Masche des Musters auf der Nadel als überflüssig erweisen würde, das bemerkte ich erst bei der 4. Runde meines Teststücks, war aber beim Teststück ganz einfach egal. Mit Extramasche verlief das Muster in Runden gestrickt diagonal statt senkrecht. Zum Testen nehme ich immer ein einfaches, billiges Polyacrylgarn und übe sozusagen das Muster. Das wird danach entweder aufgetrennt, ins Musterbuch geklebt oder weggeworfen. 😉

Jetzt musste noch Garn und Farbe bestimmt werden. Die Entscheidung fíel auf die tolle Biobaumwolle von Hema, Farbton Erdnuss.

Ich begann mit kleinerer Nadelstärke als am oberen Teil der Mütze, das Bündchen im gewünschten Umfang zu stricken. Im Anschluss an das Bündchen erfolgte die Zunahme einiger, weniger Maschen für den leichten Ballon. Ich suchte und fand in meinem Bestand ein Buch, welches exakt den vorgegebenen Umfang hatte. Ich zog den Mützenteil drüber, es ging am Bündchen stramm, aber passte. Nur der Ballon war zu heftig. Also auftrennen. Neu anfangen. Sollte ja alles perfekt sein.

Netzmütze 1.Versuch

Beim zweiten Versuch nahm ich für das Bündchen wieder die gleiche Maschenzahl, gab für den Ballon danach nur noch ein paar einzelne Maschen zu.

Das Mützchen gelang wie gewünscht. In der Phase der Maschenabnahmen musste ich nur sehr gut aufpassen, dass sich das Netzmuster auch weiterführte und nicht verrutschte. Zum Glück hatte ich in der letzten Runde vor der Maschenabnahme einen sogenannten „Lebensfaden“ eingezogen und ich konnte zügig und ohne Probleme einmal zurück.

Ganz am oberen Ende ließ ich ein kleines Loch bei den zusammengezogenen Maschen, etwa in der Größe der anderen Löcher des Musters auch. Ich fand es passend.
Netzmütze WZ
Die Netzmütze sollte mit einem Blümchen in Fransengarn in benachbarten Farbtönen oder mit Rot dekoriert werden. In meinen Vorräten war Farnsengarn in Natur, in Schwarz und in Lila. Ich mag es eigentlich nicht sehr gerne, dieses Fransengarn. Es verarbeitet sich grauenhaft bei kleinen Teilen. Bamberg hat drei Einkaufsmöglichkeiten für Garn. Ich war bei allen dreien. Fransengarn in den gewünschten Farben gab es nirgends, zwei hatten überhaupt kein Fransengarn. So einigten wir uns auf Rot mit Natur. Ich fertigte das Blümchenan, machte nochmal ein Foto, bekam das Placet und nähte das Blümchen an.

Netzmütze mit Blümchen

Nach einer Woche war das Mützchenprojekt abgeschlossen und die Mütze reisefertig.

Leider hatte sich zwischenzeitlich herausgestellt, dass der Kopfumfang der zukünftigen Trägerin doch ein Stückchen geringer war…..Baumwolle ist ja weit weniger elastisch als Wolle, somit ist das Mützchen jetzt zu groß. Das macht aber nichts! Das Zwerglein bekommt ein kleineres Mützchen und diese Mütze wandert nach einer kleinen Handwäsche in den Shop. Es wurde ja nur anprobiert und das ist das, was man in jedem Geschäft auch macht, wenn man eine Mütze kauft.

TIPP: Der Kopfumfang wird stramm(!) anliegend gemessen über den Ohren rund um die Stirn.

Mützchen werden von mir in Zukunft am Bündchen etwas knapper angefertigt als gemessen. Ich werde bei Baumwolle flotte 2 cm abziehen. Das  sollte hinkommen. Eingestrickte Gummifäden fand ich auch als Tipp für solche Fälle, würde mir persönlich aber nicht gefallen.

Da mir das Mützchen selbst sehr gut gefällt, wird dieses Modell (Kopfumfang 52 bis 55 cm) Eingang finden in meinen Shop ( Abteilung *Mützen und Stirnbänder*), also bald auch in anderen Farben und Größen, sowie mit oder ohne Dekoration, zu haben sein. Gerne fertige ich auch in Wunschfarbe und Wunschgröße, sowie Wunschdeko. 🙂

Netzmütze P1080113

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